Statement des Vereins zum Ende der ZONE11
Vorstand des Vereins Jugend in Hallein fordert Transparenz:
Warum muss eine seit fast 30 Jahren gewachsene Jugend- und Kulturarbeit enden?
Mit der Schließung der Zone11 verliert Hallein nicht nur ein Jugendzentrum, sondern einen über Jahrzehnte gewachsenen Ort der Teilhabe, Kultur und Begegnung. Der Vorstand ersucht die Öffentlichkeit, das Vorgehen der Stadtgemeinde kritisch zu hinterfragen.
Hallein, am 7.5.2026 – Wir, der Vorstand des Vereins Jugend in Hallein, wenden uns mit dieser Aussendung an die Öffentlichkeit, weil mit der bevorstehenden Einstellung des bisherigen Betriebs der Zone11 eine Entscheidung getroffen wurde, deren Tragweite weit über einen bloßen Trägerwechsel hinausgeht.
Seit über 27 Jahren prägt die Zone11 die offene Jugend- und Kulturarbeit in Hallein. Generationen von jungen Menschen fanden hier einen Ort, der ihnen oft anderswo verwehrt blieb: niederschwellig, konsumfrei, offen, respektvoll und getragen von der Grundidee, Jugendlichen nicht ein fertiges System vorzusetzen, sondern ihnen Raum zu geben, eigene Ideen, Ausdrucksformen und Verantwortung zu entwickeln.
Die Zone11 war von Anfang an mehr als ein Jugendzentrum. Sie war ein Projekt von Jugendlichen, mit Jugendlichen und für Jugendliche. Ihre Entstehung war geprägt von Eigeninitiative, Engagement und dem Vertrauen darauf, dass junge Menschen selbst wissen, welche Räume sie brauchen, wenn man sie ernst nimmt. Genau diese Grundidee hat den Verein Jugend in Hallein und die Zone11 über Jahrzehnte getragen.
Umso unverständlicher und schmerzlicher ist für uns die Entscheidung der Stadtgemeinde Hallein, diese gewachsene Struktur in ihrer bisherigen Form zu beenden. Nach fast drei Jahrzehnten erfolgreicher Arbeit endet mit 30. Juni nicht nur ein Betreibervertrag. Es endet ein Ort mit Geschichte, Haltung und gewachsener Beziehung zu jenen jungen Menschen, für die er geschaffen wurde.
Wir halten ausdrücklich fest: Uns geht es nicht um Besitzstandswahrung, Vereinsinteressen oder persönliche Befindlichkeiten. Uns geht es ausschließlich um die seit Jahrzehnten erfolgreiche Jugend- und Kulturarbeit in Hallein und in der Region. Wir wären bereit gewesen, diese Verantwortung auch in den kommenden Jahren weiterzutragen, weiterzuentwickeln und gemeinsam mit Stadt, Land und Jugendlichen an neue Herausforderungen anzupassen.
Gerade deshalb stellt sich für uns die zentrale Frage:
Nach welchen Kriterien wurde diese Entscheidung tatsächlich getroffen?
Der Jugendausschuss der Stadtgemeinde Hallein hat empfohlen, die offene Jugendarbeit neu zu vergeben; die Gemeindevertretung hat diese Linie bestätigt. Die Entscheidungsgrundlagen, die letztlich ausschlaggebend waren, wurden uns als bisherigem Trägerverein jedoch bis heute nicht in einer Weise offengelegt, die fachlich nachvollziehbar wäre. Wenn nach fast 30 Jahren funktionierender Arbeit eine gewachsene Struktur beendet wird, dann darf die Öffentlichkeit erwarten, dass die Gründe dafür transparent, sachlich und überprüfbar dargestellt werden.
Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass hier nicht ausschließlich fachliche Kriterien im Vordergrund standen. Aus unserer Sicht hat diese Entscheidung eine klare politische Dimension. Insbesondere muss sachlich hinterfragt werden, welche Rolle politische Mehrheitsverhältnisse, parteipolitische Erwägungen und budgetäre Überlegungen gespielt haben. Wenn eine Entscheidung dieser Tragweite getroffen wird, darf es nicht genügen, auf formale Beschlüsse zu verweisen. Es braucht eine nachvollziehbare Begründung.
Mit heutigem Kenntnisstand wurde die Jugend am Werk GmbH als neuer Träger beauftragt. Wir stellen dabei nicht die soziale Kompetenz oder das Engagement eines anderen Trägers pauschal in Frage. Sehr wohl aber stellen wir die fachliche Frage, weshalb eine über Jahrzehnte gewachsene Einrichtung der offenen Jugendarbeit und Jugendkultur durch einen neuen Träger ersetzt wird – und wie dabei lokale Verankerung, Erfahrung, bestehende Beziehungsarbeit, jugendkulturelle Infrastruktur und Kontinuität bewertet wurden.
Besonders irritierend ist für uns der Umstand, dass die zu übernehmenden Räumlichkeiten erst nach Einreichung der Bewerbung, nach wesentlichen Entscheidungsschritten und vor allem erst nach Intervention und direkter Kontaktaufnahme mit Jugend am Werk Geschäftsführer erstmals näher besichtigt wurden. Diesem Umstand sei es nun geschuldet sich zu fragen, auf welcher tatsächlichen Grundlage die Entscheidung über Raum, Betrieb, Bedarf, Ausstattung und künftige Nutzung getroffen wurde.
Auch die finanzielle Dimension muss offen angesprochen werden. Die Zone11 wurde über viele Jahre hinweg mit äußerst knappen Mitteln geführt. Von zuletzt EUR 168.000,00 jährlicher Förderung der Stadt Hallein flossen über EUR 47.000,00 wieder in Form von Miete an die Stadt zurück. Effektiv standen damit weniger als EUR 121.000,00 jährlich für offene Jugendbetreuung zur Verfügung – bei zuletzt vier Mitarbeiter:innen, die jährlich über 4.000 Stunden offene Jugendarbeit geleistet haben, inklusive Ferienprogramm, Workshops und niederschwelliger Begleitung.
Sollte der tatsächliche Grund für die Neuvergabe in knapper werdenden Budgetmitteln liegen, dann muss auch das ehrlich ausgesprochen werden. Dann geht es nicht bloß um einen organisatorischen Wechsel. Dann geht es um die Frage, ob Hallein künftig zwar weiterhin Jugendarbeit anbieten will, diese aber inhaltlich, personell und kulturell deutlich eingeschränkter stattfinden wird – und das in einer Zeit, in der der Bedarf junger Menschen an stabilen, offenen und vertrauensvollen Räumen aus unserer Sicht zunimmt.
Leidtragend werden die Jugendlichen der Region sein. Junge Menschen sind oft keine starke Wählergruppe. Viele von ihnen haben politisch noch keine Stimme. Gerade deshalb muss eine Stadt bei Entscheidungen, die ihre Lebensräume unmittelbar betreffen, besonders sorgfältig, transparent und verantwortungsbewusst handeln.
Mit dem Ende der Zone11 in ihrer bisherigen Form droht auch ein wesentlicher Teil der regionalen Kulturarbeit zu verschwinden. Die Zone11 war nicht nur offene Jugendarbeit. Sie war auch Bühne, Proberaum, Treffpunkt, Experimentierfeld und Veranstaltungsort. Gerade im Bereich alternativer, elektronischer und junger Musik gab es in der Region kaum vergleichbare Räume. Diese kulturelle Schiene wurde vollständig vom Land Salzburg finanziert – zuletzt in Höhe von rund EUR 63.500,00 (inkl. Jugendarbeit). Mit der Einstellung des bisherigen Betriebs droht dieses Geld und damit auch ein bedeutender Teil jugendkultureller Infrastruktur aus der Region zu verschwinden.
Für uns ist das kein nebensächlicher Aspekt. Kulturarbeit ist Jugendarbeit. Musik, Veranstaltungen, kreative Workshops und selbstorganisierte Formate sind für viele junge Menschen der erste Zugang zu Verantwortung, Gemeinschaft und öffentlicher Teilhabe. Wenn diese Bühne verschwindet, verliert Hallein nicht nur Veranstaltungen. Hallein beziehungsweise die Halleiner Bevölkerung verliert Möglichkeiten.
Besonders belastend ist die Situation auch für unsere Mitarbeiter:innen. Sie haben über Jahre hinweg mit hoher Professionalität, Loyalität und großem persönlichem Einsatz gearbeitet. Sie waren Vertrauenspersonen, Begleiter:innen, Konfliktlöser:innen, Möglichmacher:innen. Dennoch stehen sie nun vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. Der Vorstand sah sich zuletzt sogar gezwungen, aus privaten Mitteln eine fünfstellige Summe zuzuschießen, um Gehälter, soziale Sicherheit und laufenden Betrieb vorerst weiter abzusichern.
Wir sehen darin ein deutliches Zeichen dafür, wie ernst wir unsere Verantwortung nehmen. Bis zuletzt geht es uns darum, den Betrieb, die Mitarbeiter:innen und vor allem die Jugendlichen nicht im Stich zu lassen.
Die Öffentlichkeit sollte sich daher selbst ein Urteil bilden können.
Dafür braucht es Antworten:
Warum wurde eine über Jahrzehnte gewachsene Struktur beendet, obwohl keine inhaltliche Kritik an der Qualität der Arbeit bekannt war?
Welche Kriterien waren tatsächlich ausschlaggebend?
Wie wurden Erfahrung, Kontinuität und lokale Beziehungsarbeit bewertet?
Welche Rolle spielten budgetäre Überlegungen?
Welche Rolle spielten politische Mehrheiten?
Wie soll künftig sichergestellt werden, dass offene Jugendarbeit nicht nur dem Namen nach, sondern tatsächlich in ausreichendem Umfang stattfindet?
Und was passiert mit der Kulturarbeit, die bisher durch die Zone11 getragen wurde?
Wir wünschen uns keine polemische Debatte. Wir wünschen uns eine ehrliche. Denn wenn eine Stadt nach fast 30 Jahren eine funktionierende Jugend- und Kulturstruktur beendet, dann muss sie erklären können, warum.
Für uns als Vorstand steht fest: Hier geht nicht einfach ein Verein zu Ende. Hier verschwindet ein Stück Halleiner Jugend- und Kulturgeschichte. Ein Ort, der über Jahrzehnte gewachsen ist. Ein Ort, dessen Wert sich nicht allein in Tabellen, Ausschreibungen oder Budgetzeilen messen lässt. Ein Ort, an dem junge Menschen gesehen, gehört und ernst genommen wurden.
Die Zone11 war für viele Jugendliche ein zweites Zuhause, ein Schutzraum, ein Kulturraum, ein Lernort und manchmal auch der einzige Ort, an dem sie ohne Konsumzwang willkommen waren.
Wir bedauern diese Entwicklung zutiefst. Gleichzeitig bleiben wir unserer Haltung treu: Solange es möglich ist, arbeiten wir weiter. Für die Jugendlichen. Für die Kultur. Für die Region. Und für die Überzeugung, dass junge Menschen Räume brauchen, in denen sie nicht verwaltet, sondern ernst genommen werden.
Der Vorstand des Vereins Jugend in Hallein/ZONE11
Servus & Hallo
Das Jugend- und Kulturzentrum ZONE11 existiert seit 1998 und befindet sich in
ehemaligen Räumen der Saline Hallein auf der Pernerinsel. Beginn und Aufbau gelang durch gemeinsames Engagement von Jugendlichen, Mitarbeitern, Vereinsvorstand und politischen Verantwortlichen. Die ZONE11 ist ein offen zugänglicher und freier Kommunikationsraum für junge Menschen, in dem unterschiedliche Jugendkulturen, individuelle Bedürfnisse und vielseitige Interessen, ohne Konsumzwang, in einem geschützten Rahmen, ausgelebt werden können.
Dein ZONE11-Team
Eine Übersicht
Die ZONE gliedert sich eigentlich in das Jugendzentrum Mukuzo mit angeschlossenem Beisl und Veranstaltungsraum auf der Pernerinsel, sowie dem Jugendtreff in Rif. Weiters bieten wir regelmäßig Workshops und ein monatlich wechselndes Programm während des offenen Betriebs. Das Halleiner Sommerferienprogramm und Konzerte runden unser Angebot ab.










